Brustkrebs: Methoden zur Früherkennung

Wie erkennt man Brustkrebs? Was ist eine Mammographie? Wo sitzen Knoten in der Brust und wie fühlen sie sich an? Wie oft sollte die Brust abgetastet werden? Informieren Sie sich über die Methoden der Brustkrebsvorsorge.

26.03.2025 Imke Schmitz 6 Minuten

Brustkrebs: Früherkennung bei Frauen

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In der Schweiz erhalten jährlich über 6000 Frauen diese Diagnose. Der medizinische Fachbegriff lautet «Mammakarzinom». Er bezeichnet bösartige Tumore, die im Brustgewebe entstehen. Mit zunehmendem Alter steigt das Erkrankungsrisiko. Etwa 80% der betroffenen Frauen sind 50 Jahre und älter. Im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Lungen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs sind die Heilungschancen jedoch besser. Dank moderner Medizin und Früherkennung leben heute etwa 80% der Patientinnen 5 Jahre nach der Diagnose Brustkrebs.

Eine frühe Entdeckung verbessert die Behandlungsmöglichkeiten erheblich. Je eher ein Mammakarzinom entdeckt wird, desto gezielter und schonender kann es behandelt werden. Die Brustkrebs-Früherkennung spielt deshalb eine zentrale Rolle für den Behandlungserfolg. Durch regelmässige Untersuchungen erkennen Fachärzte und -ärztinnen verdächtige Veränderungen rechtzeitig und erhalten so die Brustgesundheit.

Brustkrebsvorsorge in der Schweiz

In der Schweiz ist die Brustkrebs-Früherkennung je nach Kanton und individueller Situation unterschiedlich geregelt. Einige Kantone bieten Brustscreening-Programme für Frauen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr an. Diese laden die Teilnehmerinnen alle 2 Jahre zu einer Mammographie ein. Die Kosten übernimmt die Grundversicherung der Krankenkasse. Bei Frauen mit erhöhtem familiärem Risiko erfolgt die Kostenübernahme durch die Krankenkasse für Zusatzuntersuchungen wie MRT oder Ultraschall der Brust, sofern sie medizinisch notwendig sind. Bei Verdacht auf eine erbliche Vorbelastung erfolgt die Kostenübernahme für einen Gentest auf Brustkrebs ebenfalls durch die Krankenkasse.

Informieren Sie sich über die Angebote in Ihrem Kanton und besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Früherkennungsmassnahmen für Sie persönlich sinnvoll sind.

Selbstuntersuchung der Brust

Eine einfache Methode zur Früherkennung von Brustkrebs besteht darin, die Brust regelmässig selbst abzutasten. So entwickeln Frauen ein Gefühl für die natürliche Beschaffenheit des Gewebes und nehmen Veränderungen bewusster wahr. Fachpersonen empfehlen, die Brust einmal im Monat systematisch zu untersuchen. Betrachten Sie dabei die gesamte Brust sowie die Achselhöhlen sorgfältig und tasten Sie diese mit den Händen ab. Gelegentlich lässt sich Brustkrebs schon im Anfangsstadium erkennen, insbesondere, wenn ein Knoten nahe an der Hautoberfläche liegt. Der Zeitpunkt, an dem Sie die Brust richtig abtasten, hängt vom Hormonzyklus ab:

  • ohne hormonelle Verhütung: In den ersten Tagen nach der Periode fühlt sich das Brustgewebe weicher an. Knoten oder andere Veränderungen sind dann leichter zu erkennen.
  • bei Verhütung mit der Pille: Der beste Zeitpunkt ist zu Beginn einer neuen Monatspackung, da Hormonschwankungen das Brustgewebe beeinflussen.
  • nach der Menopause: Nach den Wechseljahren ist es ratsam, die Brust etwa alle 4 Wochen abzutasten.

Nicht jede Veränderung, die Sie beim Abtasten wahrnehmen, ist ein Anzeichen für Brustkrebs. Sobald Sie eine Auffälligkeit bemerken, sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Er oder sie klärt ab, ob weitere Untersuchungen wie ein Ultraschall oder eine Mammographie notwendig sind.

Wie fühlt sich ein bösartiger Knoten in der Brust an?

Ein bösartiger Knoten in der Brust fühlt sich oft hart, unregelmässig geformt und unbeweglich an. Im Gegensatz zu gutartigen Veränderungen grenzt er sich weniger deutlich vom umliegenden Gewebe ab. Häufig treten Knoten im oberen äusseren Bereich der Brust nahe der Achselhöhle auf. Sie entstehen aber auch in anderen Bereichen des Brustgewebes. Beobachten Sie Ihren Körper und achten Sie auf weitere mögliche Symptome von Brustkrebs:

  • Veränderung der Brustgrösse oder -form
  • Hautveränderungen wie Rötungen, Dellen oder eine Struktur ähnlich einer Orangenschale
  • Veränderungen der Brustwarze wie Einziehungen, Absonderungen oder Schuppungen
  • Schwellungen oder Knötchen in der Achselhöhle

Mammographie: Screening der Brust

Brustkrebs lässt sich nicht immer ertasten, deshalb reicht die regelmässige Tastuntersuchung der Brust nicht aus. Die Mammographie ergänzt die Früherkennung, indem sie kleine Veränderungen im Gewebe sichtbar macht. Die Röntgenuntersuchung der Brust gilt heute als wichtigste Methode zur Früherkennung. Sie identifiziert bereits sehr kleine Brusttumore, die mit den Händen nicht fühlbar sind.

Bei der Untersuchung positioniert eine Fachkraft die Brust zwischen 2 Plexiglasscheiben des Mammographiegerätes. Diese pressen das Gewebe zusammen und sorgen so für eine gleichmässige Verteilung und eine bessere Bildqualität. Manche Frauen empfinden die Mammographie als schmerzhaft, da der Druck auf die Brust sehr stark ist.

Ab wann ist eine Mammographie sinnvoll?

Mammographien zur Früherkennung von Mammakarzinomen erfolgen in der Regel ab dem 50. Lebensjahr. Die Untersuchung hilft, Brustkrebs im Anfangsstadium zu erkennen, wenn noch keine Anzeichen vorhanden sind. Bei auffälligen Beschwerden oder tastbaren Knoten kommt die Röntgenmethode unabhängig vom Alter zum Einsatz. Ein Mammographie-Screening findet idealerweise in der ersten Zyklushälfte statt. In dieser Zeit ist das Brustgewebe weniger dicht und die Bildqualität daher besser. Die Brustgrösse hat keinen Einfluss auf die Aussagekraft der Untersuchung. Eine Mammographie ist bei einer kleinen Brust genauso sinnvoll wie bei einer grossen.

Mammographie: ja oder nein?

Die Mammographie ist eine einfache Untersuchung, mit der sich Veränderungen in der Brust schnell aufspüren lassen. Sie zeigt verdächtige Gewebeveränderungen, gibt aber keine Auskunft darüber, ob mögliche Brusttumore gut- oder bösartig sind.

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz an der Universität Potsdam hat potenzielle Vor- und Nachteile der Brustkrebs-Früherkennung durch Mammographie anhand wissenschaftlicher Studien zusammengefasst:

Früherkennung von Brustkrebs: alternative Methoden

Nicht in allen Fällen liefert die Mammographie aussagekräftige Ergebnisse. In solchen Fällen ermöglichen andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) der Brust eine genauere Diagnose. Diese Verfahren ergänzen oder ersetzen die Mammographie bei der Früherkennung von Brustkrebs.

Ultraschall der Brust

Der Ultraschall zur Erkennung von Brustkrebs kommt in der Vorsorge zum Einsatz, wenn die Mammographie keinen eindeutigen Befund erbringt. Auch bei bestimmten Personengruppen ist eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll. Eine Übersicht:

  • unklare Befunde: Eine Mammographie erkennt eine Zyste oft nicht eindeutig. Die Ultraschalluntersuchung liefert zusätzliche Informationen und unterscheidet zwischen flüssigkeitsgefüllten Zysten und festen Knoten in der Brust.
  • junge Frauen: Bei jüngeren Patientinnen erschwert dichtes Brustgewebe die Beurteilung durch die Mammographie. Hier liefert der Ultraschall klare Bilder und erleichtert das Erkennen von Auffälligkeiten.
  • Frauen mit Brustimplantaten: Eine Mammographie ist bei Patientinnen mit Implantaten nicht möglich. Ultraschall ist eine strahlungsfreie Möglichkeit, das Brustgewebe ohne Quetschung zu untersuchen.

MRT der Brust

Die MRT/MRI der Brust gehört nicht zu den Standardverfahren der Brustkrebs-Früherkennung. In bestimmten Situationen ist diese Methode jedoch notwendig:

  • unklare Befunde: Liefern Mammographie oder Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse, kommt oft die MRT zum Einsatz.
  • erhöhtes familiäres Risiko: Bei einer genetischen Veranlagung für Brustkrebs erhalten Frauen häufig regelmässige MRT-Untersuchungen. So können Veränderungen im Brustgewebe frühzeitig erkannt werden.
  • Nachsorge und Verdacht auf Rezidiv: Nach einer Brustkrebstherapie oder bei Verdacht auf ein Wiederauftreten des Brusttumors dient die MRT der Früherkennung und Abklärung.

Neben Mammographie, Ultraschall und MRT gibt es noch weitere Verfahren zur Diagnostik von Brustkrebs. Einige Methoden, wie zum Beispiel die Thermografie der Brust, liefern ungenaue und unzuverlässige Ergebnisse und sind für die Früherkennung nicht geeignet. Welche Untersuchung in Ihrer individuellen Situation sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Biopsie der Brust

Die Biopsie der Brust gehört nicht zu den Routineuntersuchungen in der Brustkrebsvorsorge. Sie kommt zum Einsatz, wenn bildgebende Verfahren wie Mammographie oder MRT auffällige Befunde zeigen. Die Methode klärt, ob eine Gewebeveränderung gut- oder bösartig ist. Dazu entnimmt der Arzt oder die Ärztin eine kleine Gewebeprobe und untersucht diese auf Krebszellen. Die Gewebeentnahme erfolgt in den meisten Fällen ambulant und unter örtlicher Betäubung.

Bestätigt die Biopsie den Verdacht auf ein Mammakarzinom, folgen weitere Untersuchungen. Dabei bestimmen Mediziner und Medizinerinnen mithilfe der Immunhistochemie spezielle Marker des Brustkrebses. Sie geben Auskunft über die biologischen Eigenschaften des Tumors. Zusätzlich klären die Ärzte und Ärztinnen, ob sich der Brustkrebs ausgebreitet hat. Eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs und des Bauches mit Kontrastmittel hilft dabei, Metastasen in anderen Körperregionen aufzuspüren. In bestimmten Fällen ist Brustkrebs im CT sichtbar, insbesondere, wenn der Tumor charakteristische Gewebestrukturen aufweist. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bilden die Grundlage für die Wahl der bestmöglichen Therapie.

Biopsie der Brust: Wie oft ist der Befund gutartig?

Im Laufe ihres Lebens bemerken viele Frauen Unregelmässigkeiten oder Veränderungen in ihrer Brust. Vor allem vor dem 40. Lebensjahr treten gelegentlich tastbare Knoten auf. Diese sind oft gutartig und kein Grund zur Sorge. Brustkrebs entwickelt sich bei jungen Frauen nur selten.

Das Fibroadenom ist einer der häufigsten gutartigen Brusttumore. Die Knoten bestehen aus Binde- und Drüsengewebe und fühlen sich fest, glatt und gut verschiebbar an. Typischerweise verursachen sie keine Schmerzen und wachsen langsam. Vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren entwickeln diese Brustknoten. In der Regel sind Fibroadenome harmlos und erfordern keine Behandlung.

Brustkrebs vorbeugen

Bei familiärer Vorbelastung sind Gentests zur Früherkennung von Brustkrebs möglich. Sie ermitteln, ob ein erhöhtes Risiko für Mammakarzinome vorliegt. Ein positives Ergebnis weist auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit hin, bestätigt aber keine Erkrankung. Ein negatives Ergebnis schliesst ein Risiko nicht aus. Auch ohne nachweisbare Genveränderung bleibt eine familiäre Belastung bestehen. Mit dem Test identifizieren Mediziner und Medizinerinnen spezifische Tumormarker für Brustkrebs. Auf dieser Basis lassen sich gezielte Massnahmen zur Prävention von Brustkrebs einleiten.

Brustkrebs lässt sich nicht vollständig vorbeugen. Ein gesunder Lebensstil senkt jedoch das Erkrankungsrisiko. Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Alkohol und ausreichend Bewegung unterstützen Ihre Gesundheit. Untersuchen Sie Ihre Brust regelmässig selbst und nutzen Sie die Vorsorgeuntersuchungen. Diese Massnahmen fördern Ihre Brustgesundheit und helfen, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen.

Dr. med. Cristina Nastasia

Dr. med. Cristina Nastasia Wallmeier ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie arbeitet als ärztliche Leiterin bei der Schweizer Kinderwunschklinik Cada und stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite.

Weiterlesen

Wann macht ein Check-up Sinn, wann nicht?
Wozu sind Vorsorgeuntersuchungen gut? Welche Risiken sollte man kennen? Und wer übernimmt die Kosten? Alles zum Thema Check-ups
21. Juni 2023 7 Minuten

Langlebigkeit: So leben Sie länger und gesünder
Was ist Longevity und welche sind die wichtigsten Säulen der Langlebigkeit? Was können Sie für gesundes Altern tun? Jetzt mehr erfahren.
31. Januar 2025 17 Minuten

Newsletter

Erfahren Sie monatlich mehr über aktuelle Gesundheitsthemen und erhalten Sie alle Informationen zu den attraktiven Angeboten aller Gesellschaften der Helsana-Gruppe * bequem per E-Mail zugestellt. Registrieren Sie sich kostenlos für unseren Newsletter.

Senden

Herzlichen Dank für Ihre Anmeldung.
Sie haben soeben ein E-Mail mit einem Bestätigungslink erhalten. Bitte klicken Sie diesen an, um Ihre Anmeldung abzuschliessen.

Leider ist etwas schiefgelaufen.

Ihre Daten konnten nicht übermittelt werden. Bitte versuchen Sie es später erneut.

* Zur Helsana-Gruppe gehören die Helsana Versicherungen AG, Helsana Zusatzversicherungen AG sowie die Helsana Unfall AG.